Die Insel Tavolara

Sie liegt bei Sardinien, im Golf von Olbia, vor der Ortschaft Porto San Paolo.

Betrachtet man Tavolara vom Festland, zeigt sich die Insel, je nach Blickpunkt, wie eine Pyramide, oder wie ein Berg mit weißen, steil ins Meer abfallenden Felswänden, oder auch wie ein mit Vegetation bedeckter Hügel. Unter dem Meeresspiegel liegt eine äußerst reiche und für Taucher besonders interessante Welt.

Im Südwesten, in Richtung Porto San Paolo, fällt der Berg sanft ab und formt eine schmale Landenge, die „Spalmatore di Terra" genannt wird und einen herrlichen langen Strand hat. Dort ist es, wo man heute den „Re", den „König", von Tavolara und seine Familie treffen kann.


Aber zurück zum Anfang dieser Geschichte, die uns von Tonino Bertoleoni, dem heutigen „Herrscher" der Insel, erzählt wird.

Italien auf der Karte von 1793. Die Bertoleoni werden zum Herrscherhaus.

Wappen der Familie Bertoleoni

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verließ Giuseppe Bertoleoni, der Ur-Ur-Urgroßvater von Tonino, mit seiner Familie Genua auf einem kleinen Boot. An Korsika vorbeigesegelt, erreichte er die Inselgruppe der Maddalena und genauer die Insel Santa Marta, wo sich ein Teil der Familie Bertoleoni niederließ. Giuseppe selbst segelte weiter gegen Süden und stieß auf die bildschöne und unbewohnte Insel Tavolara. Hier ließ er sich nieder, baute sein Haus und stellte ein paar Hirten zum Bewachen der vielen wilden Bergziegen ein.

Der Zauber der Insel enthüllte sich den neuen Bewohnern eben durch diese Tiere: etliche der Ziegen gehören einer besonderen Rasse an, deren Kennzeichen die goldene Farbe ihrer Zähne ist. Diese Ziegen mit den Goldzähnen werden, wie uns Tonino erzählt, eine wichtige Rolle in der Geschichte des Königreichs von Tavolara spielen.

Die Bertoleoni waren die einzigen Bewohner der Insel. Deshalb reichte Paolo, Giuseppes Sohn, etliche Gesuche beim königlichen Hause Savoyen ein, ihm das Eigentum und die Herrschaft über Tavolara zuzuerkennen.

Der Savoyer König will die Ziegen mit den Goldzähnen

Banner von Tavolara

Carlo Alberto von Savoyen, der 1831 als Erbe von Carlo Felice den Savoyer Thron bestiegen hatte, kam 1836 mit der königlichen Yacht nach Tavolara, um dort zu jagen und den Schreiber so vieler Gesuche persönlich kennen zu lernen. Die Erinnerung an dieses Treffen wurde in der Familie Bertoleoni wach gehalten und erreicht uns mit der Stimme von Tonino: „Es ist wirklich wahr! Die Beiden trafen sich und Carlo Alberto stellte sich als der König von Sardinien vor. Paolo Bertoleoni stellte sich daraufhin als der König von Tavolara vor." Carlo Alberto verweilte ein paar Tage lang als Gast der Herrscherfamilie von Tavolara.

Da ihm Paolo von den außerordentlichen Ziegen mit den goldenen Zähnen erzählt hatte, die es auf der Insel gab, schickte der Savoyer König sofort nach seiner Rückkehr nach Turin General La Marmora mit einer Korvette zur Insel der Bertoleoni, um davon ein paar Exemplare zu holen. Der General kam mit Geschenken für die Ehefrau von Paolo Bertoleoni - einer Brosche und einem goldenen Ring - auf die Insel und stieg dann mit dem „König" von Tavolara in die Berge, die Ziegen zu suchen. In drei Tagen der Jagd gelang es, vier Ziegen mit den Goldzähnen zu fangen.

Seit dieser legendären Begegnung mit dem König von Sardinien schmückte sich die Familie Bertoleoni mit dem königlichen Wappen und betrachtete sich in jeder Hinsicht als Souverän der Insel, obwohl es noch kein Dokument gab, das ihr Anrecht bestätigte.

Ein paar Jahre später jedoch versuchte die Verwaltungsbehörde, den Bertoleoni ihre Insel zu enteignen, wobei sie sich darauf stützte, dass es dafür keine Besitzurkunde gab. Paolo Bertoleoni beschloss daraufhin, sich selbst nach Turin zu Carlo Alberto zu begeben, wozu er über Porto San Paolo und dann über Civitavecchia fuhr. Vom König persönlich bekam er beruhigende Versicherungen und nach ein paar Tagen erhielt er dann aus Città di Tempio ein Pergament, das ihn als absoluten Herrn und König von Tavolara auswies.

Tonino Bertoleoni verteidigt seine Familiengeschichte vor denen, die behaupten, es handle sich bloß um eine Legende. Leider kann er das Pergament nicht als Beweis für die Herrscherrechte der Bartoleoni vorlegen, da es verloren gegangen ist, aber stolz zeigt er in seinem Restaurant, das auf den Strand des „Spalmatore di Terra" blickt, eine Kopie des Fotos der Herrscher von Tavolara.

Das Foto im Buckingham Palace

historische Familienfoto Bertoleoni Tavolara

Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts erfuhr Königin Viktoria von England von der Existenz dieses kleinen Königreichs gegenüber der Küste Sardiniens und schickte mit einem Schiff, der Vulcan, ihre persönlichen Fotografen, die dortige Herrscherfamilie zu porträtieren. Im Museum des Buckingham Palace in London wird das Foto der königlichen Familie von Tavolara in einer von Königin Viktoria veranlassten Sammlung der Bilder von Herrscherfamilien der ganzen Welt verwahrt. Unter dem Foto steht: „Die königliche Familie von Tavolara im Golf von Terranova Pausania, dem kleinsten Königreich der Welt."

Tavolara heute

Familie Bertoleoni Tavolara

Die Fabel des Königreiches von Tavolara dauert bis zum heutigen Tag und jeder, der diesen zauberhaften Ort besucht, kann sich davon überzeugen, während er die Farben des Meeres und der Felsen bewundert, über den weißen Sand bis dorthin läuft, wo die Landenge gerade noch ein paar Zentimeter misst, und dann den vom Meer aus kaum sichtbaren kleinen Friedhof besucht, wo zwischen Seelilien die Gräber des ersten Königs von Tavolara und seiner Abkommen und Verwandten liegen. Eine Ausnahme ist dort der Grabstein von Girolamo Sotgiu, Literaturprofessor, der bereits als ein Junge seine Sommer auf dieser schönen Insel verbrachte und darum gebeten hat, dass seine sterblichen Überreste hier ruhen dürften. Von seiner Hand stammt die Inschrift des Gedenksteins auf dem Friedhof.

 

Glauben Sie nicht, dass diese über dem klaren Wasser

verstreute Asche bedeute, ein Leben sei zu Ende.

Oh, wie nutzlos es gewesen wäre!

Girolamo Sotgiu

 

Heute ist Tavolara nicht mehr alleiniger Besitz der Familie Bertoleoni. Was immer jedoch in ihrer Macht steht, tun Tonino Bertoleoni und seine Angehörigen, um ihre Insel und deren Geschichte zu schützen und zu bewahren. „Sie können sich nicht vorstellen, wie viel Geld mir angeboten wurde und wie viele das waren" - vertraute er mir an - „aber solange es uns gibt wird Tavolara unverändert bleiben!"

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